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Gert Charly Doerfel

Gert (Charly) Doerfel
(* 18. September 1939/Hamburg)


Gert Dörfel kam zur Saison 1958/59 mit einer Ablösesumme von 3.000 Mark
vom drittklassigen Verein Polizei SV Hamburg, in dessen Jugend er 1952 mit
dem Fußballspielen begann, zum Hamburger SV. Dieser spielte zu der Zeit in
der Oberliga Nord, eine der damals fünf höchsten Spielklassen im bundes-
deutschen Fußball.

Seine Stammposition war Linksaußen, wo er meist erfolgreicher Flankengeber für Mittelstürmer Uwe Seeler war. In seinen 325 Spielen für den HSV (davon 224 in
der Bundesliga) erzielte er selbst 107 Tore (Bundesliga 58). Am 24. August 1963
(1. Spieltag) war Dörfel der erste Bundesligatorschütze des HSV, als er in der 86.
Minute das 1:1-Unentschieden im Auswärtsspiel gegen Preußen Münster erzielte.
Eine Woche später war er der erste Bundesligaspieler, dem drei Tore in einer
Partie gelangen (beim 4:2 gegen den 1. FC Saarbrücken am 2. Spieltag). Neben
seinen fußballerischen Talenten betätigte er sich zuweilen auch als Stimmungs-
macher auf dem Fußballfeld, indem er etwa Bonbons sowohl an seine Mitspieler
wie an seine Gegner verteilte. 1965 nahm er bei Deutschlands größter Plattenfirma
Polydor eine eigene Single auf (Das kann ich dir nicht verzeih’n / Erst ein Kuß).
Bekannt ist Dörfel auch dafür, dass er hin und wieder den Bogen überspannte,
indem er etwa bei einer Verwarnung während eines Spiels dem Schiedsrichter
eine falsche Namensangabe machte („Meier“) und daraufhin vom Platz gestellt
wurde.

Trotzdem machte er sich auch als hervorragender Fußballer einen Namen, denn
im Jahr 1965 wurde er von der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ zum besten
Linksaußen Europas gewählt. Mit dem Hamburger SV wurde Dörfel jeweils einmal
Deutscher Meister (1960) und DFB-Pokalsieger (1963). 1968 stand er im Finale
des Europapokals der Pokalsieger (HSV – AC Mailand 0:2). Der HSV hatte als
Finalist des DFB-Pokalendspiels (HSV – FC Bayern München 0:4) an dem
Wettbewerb teilgenommen. Am 28. August 1971 bestritt Dörfel sein letztes Bundes-
ligaspiel: HSV – FC Schalke 04 0:1. Nach dem Ende seiner Karriere beim HSV gab
er kurze Gastspiele in Südafrika bei den Johannesburger Fußballklubs „Highland
Powers“ und „Lusitano“ sowie in Kanada. 1973/74 spielte er noch eine Saison
lang beim Hamburger Verein HSV Barmbek-Uhlenhorst in der damals
zweitklassigen Regionalliga Nord.
Gert Dörfels Talent wurde von den DFB-Trainern schon frühzeitig entdeckt, und so
spielte er einmal in der DFB-Juniorenauswahl und kam danach zu drei Einsätzen
in der Amateur-Nationalmannschaft. Sein erstes A-Länderspiel bestritt er am 3.
August 1960 in Reykjavík gegen Island. Beim 5:0-Sieg erzielte er auf seiner angestammten Position als Linksaußen zwei Treffer. Dass er letztlich trotz seiner
immerhin sieben erzielten Tore nur auf elf A-Länderspiele kam, hatte er seinem
für die damalige Zeit unkonventionellen Verhalten zu verdanken, mit dem er bei
den Bundestrainern Sepp Herberger und Helmut Schön auf wenig Verständnis traf.

Zu seinem letzten Länderspieleinsatz kam Dörfel am 4. November 1964 im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden (1:1 in Berlin). Beim WM-Turnier 1962
in Chile gehörte er nicht zum Aufgebot.
Nachdem Gert Dörfel 1974 sein letztes Spiel beim HSV Barmbek-Uhlenhorst be-
stritten hatte, nahm er eine Tätigkeit beim Ortsamt Hamburg-Stellingen auf.
Allerdings verschwand er damit nicht aus der Öffentlichkeit, denn viele Jahre trat
er noch als Clown auf, unter anderem im Zirkus Krone. Als Pensionär ließ er sich
in Seevetal bei Hamburg nieder.

 

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